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Dr. Thomas Waldhier, Vorstandsvorsitzender der Beru AG, Ludwigsburg

Zünden aus Leidenschaft für Otto und Diesel

Dr.-Ing. Thomas Waldhier Mit Wirkung zum 1. Oktober 2007 wurde Dr. Thomas Waldhier zum Vorstandsvorsitzenden bestellt. Waldhier hat mehr als zehn Jahre Erfahrung als Geschäftsführer in Unternehmen der Automobilzulieferindustrie. Seit 2004 war er Geschäftsführer der SAS Autosystemtechnik, Karlsruhe, einem führenden Lieferanten der Automobilindustrie mit rund 4000 Mitarbeitern an mehr als 20 Standorten weltweit.
Dr.-Ing. Thomas Waldhier Mit Wirkung zum 1. Oktober 2007 wurde Dr. Thomas Waldhier zum Vorstandsvorsitzenden bestellt. Waldhier hat mehr als zehn Jahre Erfahrung als Geschäftsführer in Unternehmen der Automobilzulieferindustrie. Seit 2004 war er Geschäftsführer der SAS Autosystemtechnik, Karlsruhe, einem führenden Lieferanten der Automobilindustrie mit rund 4000 Mitarbeitern an mehr als 20 Standorten weltweit.
Wer ein Auto fährt, der kennt Beru. Jahrzehntelang war Beru in erster Linie ein Synonym für Zündkerzen. Heute ist Beru Spezialist für Zündungstechnik, Dieselkaltstarttechnologie, Elektronik und Sensorik. Im Jahr 1912 wurde das Unternehmen von Behr und Ruprecht gegründet. Der amerikanische Automotive-Zulieferer Borg-Warner wurde Anfang 2005 Mehrheitsaktionär. Seit Oktober 2007 leitet Dr. Thomas Waldhier das Unternehmen als Vorstandsvorsitzender.

Hat die Mehrheitsbeteiligung von Borg-Warner zu Synergieeffekten geführt?

Waldhier: Borg-Warner ist seit drei Jahren als Mehrheitsaktionär an Beru beteiligt. In dieser Zeit hat sich Borg-Warner als strategischer Partner erwiesen. Borg-Warner, ein amerikanischer Automobilzulieferer, bietet Schlüsseltechnologien für Motoren und Antriebsstränge. Mit über 17 000 Mitarbeitern weltweit erzielt Borg-Warner einen Umsatz von mehr als 4 Milliarden US-Dollar. Obwohl unsere Produktpaletten unterschiedlich sind, und es keine Überschneidungen gibt, konnten wir in der Vergangenheit Synergien nutzen wie zum Beispiel im Einkauf. Seit Dezember 2007 hält Borg-Warner mehr als 75 Prozent der Aktien an der Beru AG. Am 17. März 2008 haben Beru und die Borg-Warner Germany GmbH einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abgeschlossen. Wir sind der Überzeugung, dass sowohl Beru als auch Borg-Warner mit einem solchen Vertrag von zahlreichen weiteren Synergien profitieren können.

Der Auslandsanteil der Umsatzerlöse liegt bei circa 70 Prozent. Auf welche Region ist am meisten zu achten?

Waldhier: Den Großteil unserer Umsätze erwirtschaften wir derzeit auf unserem Heimatmarkt Deutschland und in Europa. Hier sind wir sehr präsent und haben auch eine starke Marktposition. Unser besonderes Augenmerk wird in Zukunft aber auch auf den sogenannten BRIC-Staaten liegen, also Brasilien, Russland, Indien und China. In den BRIC-Staaten leben 40 Prozent der Weltbevölkerung – aber nur rund 10 Prozent aller Pkw weltweit fahren dort auf den Straßen. Die weltweite Nachfrage wird in Zukunft also vor allem aus diesen Ländern kommen und hohe Wachstumsraten generieren. Deshalb arbeiten wir daran, dort unsere Präsenz auszubauen und uns stärker zu positionieren. Eine wichtige Rolle spielt für uns, als Spezialist in der Dieselkaltstartechnologie, aber auch die Entwicklung des Dieselanteils. Hier erwarten wir noch höhere Anteile in Europa und in den USA.

Das Ergebnis ist 2007 – laut Beru – durch den Preisdruck der Märkte deutlich rückläufig gewesen. Leiden darunter nicht alle Zulieferer?

Waldhier: Das vergangene Geschäftsjahr war tatsächlich ein schwieriges Jahr. Neben dem Preisdruck haben wir die hohen Rohstoff- und Energiekosten gespürt. Aber auch der starke Euro hat uns belastet. Als Unternehmen muss man gut aufgestellt sein, um diese Effekte kompensieren zu können. Und genau darum haben wir im Dezember 2007 ein Effizienz-Steigerungsprogramm beschlossen. Wir müssen jetzt agieren, um den negativen Trend in der Margenentwicklung zu stoppen und uns für die Zukunft gut aufzustellen. Mit dem Effizienz-Steigerungsprogramm wollen wir unsere Organisation straffen und unsere weltweiten Produktionskapazitäten optimieren, um interne Prozesse effizienter und schneller zu gestalten und die Kundennähe noch mehr in den Vordergrund zu stellen. Im intensiven Wettbewerb werden wir durch innovative Produkte wie der Drucksensor-Glühkerze PSG und dem Hochtemperatursensor HTS unseren Innovationsvorsprung ausbauen.

Laut Homepage soll es durch neue Produkte in 2009 wieder bergauf gehen. Welche Produkte sind das?

Waldhier: Die Drucksensor-Glühkerze PSG wird Mitte 2008 in Serie gehen. Weitere große Automobilhersteller werden mit diesem Produkt in 2009 und den darauffolgenden Jahren nachziehen. Aktuell sind die PSG-Glühkerzen mit einem Heizstab aus Stahl ausgerüstet, bei weiteren Kunden-Applikationen wird ein Keramik-Heizstab zum Einsatz kommen. Im Bereich Sensorik wird Anfang 2009 der Hochtemperatursensor (HTS) in Serienproduktion gehen. Dieser Sensor überwacht im Dieselmotor den Partikelfilter und den DeNOx-Katalysator oder misst die Temperatur in Abgasrückführsystemen. Für die neu entwickelten Platin M12-Bi-Hex-Zündkerzen folgen ebenfalls weitere Fahrzeugmodelle, in denen wir in der Erstausrüstung vertreten sein werden. In zahlreichen Volumenmodellen von Fiat (1,2 und 1,4-Liter Benzinmotoren) werden zudem aktuell unsere neuen Blockzündspulen-Systeme verbaut. Diese Zündspulen mit integrierter Elektronik sind extrem vibrationsbeständig.

Erzwingt der Margendruck automatisch eine strategische Diversifizierung der Produkt-Palette?

Waldhier: Lassen Sie es mich so formulieren: Der Margendruck verlangt Innovationsfähigkeit. Als Unternehmen muss man die Kundenbedürfnisse erkennen und in leistungsstarke Produkte umwandeln. Wir sehen die Treiber für neue Produktlösungen vor allem in den neuen Abgas-Gesetzgebungen. Zukünftige Abgas-Grenzwerte fordern eine drastische Reduktion von Partikeln und Stickoxid. Das macht unter anderem die Optimierung der Verbrennung notwendig. Hierfür kann Beru bereits heute völlig neuartige Produktlösungen bieten.

Aber natürlich prüfen wir auch laufend, mit welchen Produkten wir unser Portfolio erweitern könnten.

Die jetzt vorgestellte Drucksensor-Glühkerze ist unerreicht in puncto Reduk- tion von Stickoxiden. Was war der Schlüssel für diese Lösung und wann kommt die PSG in Serie?

Waldhier: Die PSG-Pressure Sensor Glow Plug wird Mitte 2008 erstmals serienmäßig von einem europäischen Hersteller verbaut. Zuerst werden Fahrzeugmodelle für den US-Markt damit ausgerüstet. Die USA hat bekanntlich in den meisten Bundesstaaten sehr scharfe Abgasgrenzwerte. Weitere OEMs folgen mit der Erstausrüstung in 2008 und 2009. Mit dem integrierten Brennraumdrucksensor der PSG Glühkerze ist es möglich, den Verbrennungsprozess ständig transparent und damit regelbar zu machen. Diese Kontrolle über den Verbrennungsprozess dürfte der entscheidende Weg zur drastischen Senkung von Kraftstoffverbrauch und Abgasemissionen sein. Weitere Potenziale der PSG sind die Kompensation unterschiedlicher Kraftstoffqualitäten, Emissionskontrolle über die gesamte Lebensdauer, optimale Steuerung des Drehmoments sowie eine mögliche Einsparung kostenintensiver Stickoxid-Sensoren und Luftmassen-Messer.

Ist der Dieselmotor im Hinblick auf EU6 mit vertretbarem Aufwand noch realisierbar, bezahlbar?

Waldhier: Der heutige Dieselmotor hat nichts mehr von seinen früheren Eigenschaften: laut, lahm und rußig. Der moderne Clean Diesel ist dynamisch, umweltfreundlich, verbrauchsarm, weist ein hohes Drehmoment auf, ist geräuscharm und komfortabel. Der Diesel verbraucht über alle Klassen hinweg etwa 20 bis 25 Prozent weniger als ein vergleichbarer Benziner. Der Zeitpunkt ist absehbar, zudem der moderne Diesel so sauber wie ein Ottomotor wird. Mit dem Einsatz von Rußpartikelfiltern sowie der Optimierung von Brennraum und Einspritzsystemen wird eine weitere Reduktion von Stickoxiden erreicht.

Die PSG Glühkerze von Beru ist eine Schlüsselkomponente für eine geregeltere Verbrennung und unterstützt somit die Automobilhersteller bei der Reduktion von Stickoxiden. Im Moment ist es jedoch so, dass der Benziner gegenüber dem Diesel einen leichten Kostenvorteil hat in Bezug auf den Aufwand für die Abgasnachbehandlung. Dies wird sich jedoch künftig wieder angleichen. Da bei Benzinmotoren der Trend zum Downsizing geht, das heißt zu hochaufgeladenen Motoren mit Direkteinspritzung und geschichteten, mageren Brennverfahren, wird auch hier eine NOx-Nachbehandlung erforderlich sein. Beide Antriebsarten werden sich also zukünftig annähern.

Welche Anforderungen bezüglich Zündtechnik tauchen beim Downsizing von Ottomotoren auf?

Waldhier: Bei hochaufgeladenen, kleineren Motoren und geänderten Brennverfahren ergeben sich neue Anforderungen an das Zündsystem, insbesondere an die Zündkerze. Die neueste Generation von Einspritzsystemen mit piezo-gesteuertem Injektor erweitert den Bereich des ungedrosselten, mageren Motorbetriebs und soll somit die geforderte Verminderung von Verbrauch und Emissionen gewährleisten.

Daraus ergeben sich neue Anforderungen an die Zündkerzen:

Kleinere Bauformen, durch begrenzten Raum im Zylinderkopf, neue Entwicklungen von Werkstoff, Geometrie und Verfahren, positionierte Körperelektroden, genauere Funkenlagen sowie eine höhere dielektrische und mechanische Festigkeit der Zündkerzenkeramik durch einen höheren Zündspannungsbedarf.

Mit den neu entwickelten Beru Bi-Hex-Zünd- kerzen erfüllen wir alle diese Anforderungen.

Fotograf: Frank Herrmann

Beru;

Telefon: 07141/ 132–0

E-Mail: produktpresse@beru.de

Das Interview führte Herbert Neumann, Chefredakteur der AutomobilKONSTRUKTION

Firmenprofil Beru

· Hauptsitz: Ludwigsburg, Deutschland

· Mitarbeiter weltweit: ca. 2500

· Umsatz: 2006 gesamt 439,0 Mio. € 2007 gesamt: 450,6 Mio. € €

· Standorte weltweit: 23

· Produkte: Zündungstechnik, Dieselkaltstart- technologie, Elektronik & Sensorik

23.04.2008


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