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Hinter den Kulissen

Dr. Hans-Jürgen Karkosch, Leiter Vorentwicklung Contitech Vibration Control, Hannover „Die neuen Antriebe verursachen in bestimmten Betriebssituationen prinzipbedingt mehr Schwingungen und dies in einen anderen Frequenzbereich als die heutigen.“
Dr. Hans-Jürgen Karkosch, Leiter Vorentwicklung Contitech Vibration Control, Hannover „Die neuen Antriebe verursachen in bestimmten Betriebssituationen prinzipbedingt mehr Schwingungen und dies in einen anderen Frequenzbereich als die heutigen.“
Hightech hält nun auch Einzug in die Motorlagerung von Fahrzeugen. AutomobilKONSTRUK- TION sprach mit Dr. Hans-Jürgen Karkosch darüber, warum für diese Lagerungssysteme nun mechatronische Komponenten benötigt werden, was die neuen Antriebe für eine Rolle spielen und dass auch der Leichtbau nicht zu kurz kommt.

Welches Portfolio bietet Ihr Bereich Vibration Control für das Automobil?

Dr. Karkosch: Das Produktportfolio im Pkw umfasst elastische Lagerungen für Fahrwerk und Motor. Fahrwerkskomponenten sind zum Beispiel hydraulisch gedämpfte Buchsen, Gelenkwellenlager und Federbeinstützlager. Tilger können universell eingesetzt werden, um das Schwingungs- und Geräuschverhalten zu optimieren. Die wichtigste Produktgruppe sind Motorlager, die das Aggregat, also die Motor-Getriebe-Einheit, abstützen. Hier verfügen wir über das komplette Portfolio von einfachen bis hin zu adaptiven und aktiven Bauteilen.

Spielt das Thema Leichtbau eine Rolle bei ihren Produkten?

Dr. Karkosch: Vor dem Hintergrund der Reduzierung von Kraftstoffverbrauch und CO2-Emission wächst der Bedarf an Leichtbau-Strukturelementen für alle Bereiche des Kraftfahrzeugs. Bislang wurden für die Lagerungssysteme hauptsächlich Komponenten aus Gummi und Stahl oder Gummi und Aluminium eingesetzt. 2002 begannen wir Entwicklungen mit dem Ziel, metallische durch hoch belastbare Kunststoffkonstruktionen zu ersetzen. Im Jahr 2006 haben wir als erste Leichtbaukomponente eine Drehmomentstütze für den Opel Vectra in Serie produziert. Diese war als Verbundbauteil aus einer Elastomer-Buchse und einem Polyamid-Gehäuse ausgeführt. Mittlerweile konnten wir mit einer breiten Palette verschiedener Leichtbau-Technologien unterschiedliche Fahrzeughersteller begeistern. Mit den heute angebotenen Bauteilen können wir Gewichtsreduzierungen von bis zu 50 Prozent realisieren.

Welche Herausforderungen stellen die derzeit am Markt befindlichen unterschiedlichen Antriebstechnologien?

Dr. Karkosch: Der Fahrzeughersteller wird künftig in einer Karosserie verschiedenste Antriebe integrieren müssen. Somit müssen unsere Lagersysteme dieses ganze Spektrum abdecken. Wir entwickeln dafür Baukastensysteme und zwar so, dass man für den unproblematischen Antrieb ein einfaches Konzept vorhält. Für die im Hinblick auf Komfort kritischeren Antriebe können zusätzlich eine Hydraulik- oder gar mechatronische Funktion integriert werden.

Wozu werden die Hydraulik- oder mechatronischen Komponenten benötigt?

Dr. Karkosch: Wenn wir bestimmte Funktionalitäten wie eine frequenzselektive Dämpfung hinzufügen wollen, werden Fluidsysteme integriert. Durch Integration mechatronischer Komponenten kann die Performance in einem breiten Frequenzband verbessert werden. Insbesondere im hochfrequenten Bereich kann man damit die Körperschallcharakteristik wesentlich besser beeinflussen. Die neuen Antriebe wie hochaufgeladene Dieselmotoren, Hybridantriebe oder Motoren mit Zylinderabschaltung verursachen in bestimmten Betriebssituationen prinzipbedingt mehr Schwingungen und dies in einen anderen Frequenzbereich als die heutigen. Elektroantriebe erzeugen eine ganz andere Geräuschcharakteristik. All das lässt sich nicht mehr mit rein passiven Elementen isolieren. Derzeit laufen eine ganze Reihe an Vorentwicklungsprojekten, die wir zusammen mit allen namhaften OEM durchführen, um solche Systeme zu qualifizieren. In den nächsten fünf Jahren werden diese dann verstärkt in Serie gehen. Mit dem elektronisch regelbaren Lager verfolgen wir das Prinzip der aktiven Schwingungskompensation. In der Serie gibt es solche Systeme erst ganz vereinzelt – vornehmlich in Japan und den USA. Der Bedarf steigt aber im Zusammenhang mit den neuen Antrieben an.

Welche Basiskomponenten sind erforderlich, wenn man ein solches System realisieren möchte?

Dr. Karkosch: Wir benötigen Aktoren, Sensoren sowie Steuergeräte mit integrierten Verstärkern. Diese müssen wir mit unseren Lagerelementen ‚verheiraten‘. Dafür können wir auf die Kompetenzen der einzelnen Divisionen des Continental-Konzerns zugreifen. Das ist ein großer Vorteil.

Welche Geräusche im Fahrzeug stören Sie persönlich?

Dr. Karkosch: Als Entwickler schwingungstechnischer Systeme achtet man vielleicht etwas sensibler auf Vibrationen und Geräusche. Bei Auffälligkeiten versucht man die Zusammenhänge zu überblicken. Wenn ein Fahrzeug schlecht klingt und man ist gerade mit Kollegen dienstlich unterwegs, kann das schnell zum Hauptthema des Reisegespräches werden. Persönlich am meisten stören mich Dröhngeräusche und Vibrationen am Lenkrad. Besonders bei langen Autobahnfahrten kann dies sehr ermüden und eine Unterhaltung anstrengend machen.

Contitech Vibration Control; Telefon: 0511 938-1304; E-Mail: mario.toepfer@contitech.de

24.05.2010


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