Starke Infrastruktur im Bordnetz
Was versteht man unter einem Bordnetz im Automobil?
Prechler: Das physikalische Bordnetz verbindet alle elektrischen Komponenten im Fahrzeug, versorgt diese mit Strom sowie Spannung und ermöglicht mittels Bussystemen die Kommunikation zwischen den Steuergeräten. Entsprechend unterscheiden wir das Energie-bordnetz und das Datenbordnetz. Vergleichbar mit dem menschlichen Nervensystem gibt es in einem Fahrzeug keinen Punkt, wo kein Kabel verlegt ist. Daher betrachten wir das Bordnetz als Infrastruktur zu der Verbindung des E/E-Gesamtsystems. Diese Infrastruktur bietet gleichzeitig das Fundament für eine stabile, zuverlässige Elektrik/Elektronik.
Ihr Vortrag steht unter dem Motto: „Stabilität und Zuverlässigkeit im Bordnetz bedeutet Evolution keine Revolution“. Was genau meinen Sie damit?
Prechler: Stabilität und Zuverlässigkeit lässt sich am leichtesten mit Qualitätskennzahlen messen. Das Bordnetz trägt heute einen wesentlichen Teil dazu bei, den hohen Qualitätsanspruch der Elektrik/Elektronik bei Audi zu sichern. Wir haben ein sehr hohes Niveau erreicht und unser Anspruch ist es, dieses Niveau zu halten beziehungsweise noch zu steigern. Um dieses Ziel nicht zu gefährden, müssen wir notwendige Veränderungen im Bordnetz mit Bedacht vornehmen.
Wie definieren Sie den allgemeinen Entwicklungsstand von Bordnetzen?
Prechler: Mit unserem neuen A4 haben wir einen sehr guten Stand erreicht und im Augenblick das Maximum an Möglichkeiten ausgeschöpft. Die Herausforderung besteht darin, diesen guten Stand noch zu verbessern. Hier gibt es den einen oder anderen Ansatz, um aus den bestehenden Bordnetzen noch etwas herauszuholen. Man könnte beispielsweise über den Einsatz dünnerer Leitungen nachdenken als wir sie jetzt kennen.
Welches sind die derzeit größten technischen Anforderungen bei der Entwicklung von Bordnetzen?
Prechler: Unser Entwicklungsziel für das Bordnetz ist es, ein Optimum zu finden in Bezug auf Kosten, Gewicht und Qualität. Daraus ergeben sich Entwicklungsanforderungen in folgenden Themengebieten: Technologie, Topologie, Entwicklungsprozess und Automatisierung. Einzeln betrachtet heißt das beispielsweise im Thema Technologie, über Alternativen zu Kupfer nachzudenken und gleichzeitig die entsprechende Verbindungstechnik zu entwickeln. Ein weiteres Technologiethema ist die Miniaturisierung, hier geht es darum die Komponenten zu verkleinern, um Gewicht und Bauraum zu sparen. Immer globaler werdende Märkte und weitere Derivate werden vor allem die Topologie zu einem Kernthema machen. Die größte Herausforderung dabei ist es, Lösungen zu finden, um die Komplexität beherrschbar zu machen. Das alles geht natürlich nur in enger Zusammenarbeit mit den Lieferanten und deshalb ist auch das Netzwerkmanagement im Entwicklungsprozess für den Erfolg eines Projektes von größter Bedeutung. Weiterhin ist das Bordnetz ein sehr fertigungsintensives Bauteil und durch den dadurch ausgelösten Kostendruck steigen die Anforderungen im Themenfeld Automatisierung.
Welche Fehlerquellen der Elektrik/Elektronik bereiten heute noch Kopfzerbrechen?
Prechler: Die Herausforderung ist, dass wir über die hohe Anzahl von Derivaten und Funktionen eine Komplexität erreichen, die wir in den Prototypen nicht mehr vollständig abbilden beziehungsweise abprüfen können. Die größte Fehlerquelle steckt demzufolge in Themen, die wir im Vorfeld nicht erkennen. Daher sind wir gefordert, nicht nur virtuell zu entwickeln, sondern auch Möglichkeiten zur virtuellen Absicherung zu finden.
Wird im Bordnetz eine Standardisierung möglich sein?
Prechler: Ja, das beschränkt sich aber im Wesentlichen auf die im Bordnetz enthaltenen Komponenten. Den größten Nutzen sehe ich im Moment bei der Standardisierung von notwendigen neuen Komponenten im Bereich der Elektrifizierung der Autos.
Wie sieht das Bordnetz der Zukunft aus?
Prechler: Es wird leichter sein als heute, denn der größte Beitrag zu umweltfreundlicheren Autos, den das Bordnetz leisten kann, ist Gewichtsreduzierung.
Audi;
Telefon: 0841 89-33873;
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