Deutschland führt – China gefährlich
(as) Deutschland belegt im Ranking der weltweit attraktivsten Automobilstandorte den ersten Platz und ist aus Sicht der Befragten sowohl der wettbewerbsfähigste als auch der stabilste. Das sind die Ergebnisse des „European Automotive Survey 2009" der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Befragt wurden im August diesen Jahres Manager von 300 europäischen Unternehmen aus der Automobilindustrie. 58 % bewerten die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie hoch und sehr hoch. Japan und China folgen mit 53 bzw. 52 %. Damit scheint die Branche in Deutschland nur auf den ersten Blick ein Hauptverlierer der Krise zu sein. Kaum ein anderes Land erlebt aktuell einen derart starken Einbruch der Wirtschaft. Die Mehrheit der Befragten gehen jedoch davon aus, dass die deutsche Automobilindustrie die Krise gut überstehen wird. Bis dahin muss sie aber noch Hürden überwinden und aufpassen, dass die Gefahr aus dem Osten nicht zu groß wird. Vor allem China inestiert sehr stark in Forschung und Entwicklung, mit dem Ziel, die Führung auf dem Gebiet der Elektrofahrzeuge zu übernehmen. Hingegen rangiert die Wichtigkeit von „Innovation, F&E" in Deutschland derzeit auf dem drittletzten Platz von zehn Kriterien, die von „Qualität" , „Kostendeckung" und „Finanzierung" angeführt werden. Schlusslicht bildet der „Umweltschutz".
Zum Vergleich: Mittelfristig werden die Unternehmen wieder auf 1. „Qualität", 2. Innovation, F&E" und 3. „Umweltschutz" Wert legen. Dass speziall bei F&E gespart wird, sieht Peter Fuß, Partner bei Ernst & Young, als große Gefahr und damit die dringend notwendigen Investitionen vor allem in Antriebstechnologien und Verbrauchsreduzierung dem Rotstift zum Opfer fallen könnten. Den Unternehmen, so Fuß, die jetzt den Anschluss verpassen, könnte mittelfristig das Aus drohen. Man solle sich aber dem Wettbewerb mit den Chinesen stellen und nicht erst warten, bis diese an uns vorbei gezogen sind, warnte Fuß. Die Studie zeigt weiter, dass das Premiumsegment unter Druck bleibt und auch nach der Abwrackprämie nach Meinung der Befragten gerade noch das Kleinwagensegment wachsen werde. Nur 19 % sehen im Premiumsegment einen Anstieg der Neuzulassungen. Nicht alle Unternehmen werden die Krise überleben und den künftigen Anforderungen gewachsen sein: Jeder dritte Automanager geht davon aus, dass es zu Fusionen unter den Herstellern kommen wird, 14 % erwarten sogar weitere Insolvenzen. In China jedoch stehen neue finanzstarke Player in den Startlöchern, die sich anschicken, den etablierten Herstellern das Leben schwer zu machen.
Ernst & Young; Telefon: 0711 9881-15980; E-Mail: dag-stefan.rittmeister@de.ey.com
