- Jeder Deutsche steht im Schnitt jährlich über 40 Stunden im Stau. Echtzeit-Verkehrsinformationen werden deshalb von den Autofahrern erwartet und sind für künftigen Infotainmentsysteme ein Muss. RDS-TMC-basierte Systeme dienen als Grundausstattung, während die neuen TPEG over IP-Systeme sehr schnell ihren Weg aus dem Premiumsegment in die Volumenmodelle finden werden. Mit dem Trend zur urbanen Mobilität wächst aber auch der Wunsch nach zusätzlichen Diensten. Ein Wunsch, der die Automobil-Hersteller in die Pflicht nimmt.
Echtzeit-Service
Die Verfügbarkeit von Verkehrsinformationen im Auto ist längst Standard und wird vom Konsumenten erwartet. Mit den TPEG-Diensten werden deutlich erhöhte Genauigkeit der Verkehrsinformationen, eine breitere Abdeckung auch der unteren Straßenklassen und eine deutlich erhöhte Granularität, etwa durch die Verwendung von Offsets für TMC Locations oder dynamischen Georeferenzierungssystemen erreicht. Die Verbreitung über IP senkt die Latenz im Vergleich zu klassischer Rundfunkdiffusion und erlaubt eine weitgehende Personalisierung. Gerade diese erhöht die Nutzungsrelevanz für den Fahrer erheblich und damit den Mehrwert für den Anwender. Gleichzeitig erlaubt sie ein hocheffizientes Bandbreiten- und Payloadmanagement. Die neuen TPEG-Dienste liefern Reisegeschwindigkeiten und Reisezeiten im gesamten Netz, so dass die Routenberechnung nicht nur mehr oder weniger spezifische Einzelstörungen berücksichtigt, sondern beispielweise die Verzögerungen auf sämtlichen relevanten Streckensegmenten einberechnet. Konsequenz sind deutlich bessere Routen und sehr viel genauere ETAs. Audi hat kürzlich mit dem neuen A6 die erste TPEG-Lösung dieser Art in den Markt gebracht. Andere Hersteller werden folgen.
Der nächste Schritt liegt nahe und besteht in der Berücksichtigung von Verkehrsvorhersagen, die nicht mit der Verwendung historischer Profildaten zu verwechseln sind. Inrix ermittelt mit einem patentierten Verfahren Verkehrsvorhersagen auf der Basis einer Analyse der aktuellen Verkehrslage im relevanten Netz, der Wirkung von Variablen wie Ferienzeiten, Events, Wetter oder Netzänderungen (beispielsweise Sperrungen) sowie historischer Profile, um die erwartete zukünftige Verkehrslage im Straßennetz in 15-Minuten-Schritten zu ermitteln. Die Verwendung dieser prädiktiven Daten führt zu weiteren Verbesserungen bei der Routenberechnung und den ETAs, weil es zum Beispiel auf einer Reise von München nach Frankfurt weniger relevant ist, wie die Verkehrslage auf den Hauptrouten zur Abfahrtszeit ist, sondern vielmehr, was die zu erwartenden Verkehrslagen auf den alternativen Routen sein werden, wenn das Fahrzeug in deren Nähe kommt.
Der Fahrer, nicht das Auto steht im Mittelpunkt
Der Wunsch nach Mobilität – auch im Auto – hört jedoch nicht bei Verkehrsinformationen auf. Zusätzliche Dienste verbinden den Fahrer stärker mit seiner Umwelt. Hierzu gehören Dienste und Inhalte, die nicht das Auto in den Mittelpunkt stellen, sondern den Fahrer. Mobilität bedeutet aber auch, Dienste nicht nur auf die Nutzung im Auto zu beschränken, sondern auch auf mobilen Kanälen oder dem Internet zur Verfügung zu stellen – alles über dieselbe Plattform. Beispiele hierfür sind lokale Angebote für den Fahrer, etwa hinsichtlich Points of Interest, aber auch für das Finden freier Parkplätze oder das bargeldlose Bezahlen von Parktickets. Eine entscheidende Rolle können zudem mobile Auto-Hotspots spielen, die es dem Insassen erlauben, auch während der Fahrt mit mobilen Endgeräten ins Internet zu gehen und so die Bandbreite der nutzbaren Services zu erhöhen.
Ein Fahrerdienst, der dem Konsumenten einen Mehrwert über die verschiedenen Kanäle hinweg bietet, ist die intermodale Routenführung, die nicht nur das eigene Auto, sondern auch den öffentlichen Nahverkehr und gegebenenfalls Car-Sharing-Dienste berücksichtigt; etwa aus Kostengründen oder Energieeffizienzerwägungen. Die Mobilitätsangebote der Zukunft werden insbesondere in urbanen Regionen intermodal und berücksichtigen unterschiedliche Fortbewegungsmittel. Entscheidend ist die Integration der dynamischen Dienste im Fahrzeug mit den Diensten außerhalb, um etwa die rechtzeitige Ankunft an einem Übergabe-Knoten, wie einem Bahnhof, sicherzustellen oder die Verfügbarkeit von Elektrotankstationen mit der ÖPNV-Anbindung zu kombinieren. Während Teile der Route im eigenen Auto zurückgelegt werden und die Kommunikation entsprechend mit dem Fahrzeug stattfindet, werden andere Abschnitte auf dem PC vorbereitet oder dem mobilen Endgerät fortgeführt. Die Anforderung einer Integration über „drei Bildschirme" (Three Screen Architecture) erfordert serverbasierte Dienste und die entsprechende Backendinfrastruktur.
Mobilität im Kontext
Die Liste möglicher Zusatzdienste ist lang und wird individuell auf unterschiedliche Modelle und die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe zugeschnitten. So werden die Service-Pakete je nach Einsatzszenario und Positionierung innerhalb der Modellpalette deutlich voneinander abweichen: Während der Außendienstler seinen Schwerpunkt auf Routenplanung und Konnektivität zum Internet legt, sind lokale Dienste für einen „ Cityflitzer" sehr viel interessanter, beispielsweise um Parkplätze zu finden. Die Attraktivität der Dienste für den Fahrer erleichtert dann die Integration und Nutzung fahrzeugspezifischer Datenservices über das gesamte Portfolio. Ein entsprechendes System muss daher kompatibel sein, verschiedene Pakete individuell anzubieten und vermarkten zu können.
Ein „one size fits all"-Ansatz führt mit fortschreitender Mobilität der Konsumenten nicht zum Erfolg. Vielmehr gilt es für zukünftige Konzepte, Server-Infrastrukturen zu nutzen und den Kunden über eine zentrale Schnittstelle mit einem Füllhorn an Telematik-Diensten sowohl rund um den Fahrer, als auch das Auto und die Umwelt zu verbinden.
Potenzial für neue Geschäftsmodelle
Mit wachsender Mobilität der Konsumenten und angesichts der Konkurrenz der mobilen Endgeräte stellt sich die Automobilindustrie auf ausdifferenzierte Angebote bei deutlich verkürzten Entwicklungszyklen ein. Eine intelligente Zusammenstellung von Fahrerdiensten wird entscheidend sein, um den mobilen Anforderungen der Konsumenten auch weiterhin in verschiedenen Modellklassen gerecht zu werden und fahrzeugspezifische Telematikdienste optimal einsetzen zu können. Dabei bergen zusätzliche Dienste aber auch großes Potenzial für zukünftige Geschäftsmodelle. Das mobile Individuum steht dabei im Mittelpunkt. Der Kampf um den mobilen Konsumenten wird somit auch zum Kampf um das erfolgversprechendste Geschäftsmodell.
Inrix; Telefon: 02151 156441; E-Mail: europe@inrix.com
Der Autor Dr. Hans-Hendrik Puvogel ist General Manager Europe der Inrix Europe GmbH, Krefeld
Audi connect: Der Weg zur vernetzten Mobilität
Seit 2005 arbeitet Audi mit der Google Inc., USA-Mountain View, zusammen. Das Ergebnis dieser Kooperation optimiert die Internetnutzung im Fahrzeug: Mit „Audi connect" baut der Hersteller darauf auf und erweitert das Angebot durch neue Vernetzungsformen. Dabei umfasst Audi connect die Bereiche „ Fahrzeug-Online-Anbindung", „Vernetzung von Auto und Besitzer" und „Verbindung von Auto mit der Infrastruktur und anderen Fahrzeugen". Diese Verbindung ermöglicht eine ganze Reihe nützlicher Anwendungen, zum Beispiel
· die uneingeschränkte Einbindung von Google Earth in die Kartendarstellung des Navigationssystems
· ein integrierter Informationsdienst, der unter anderem Wetter- und Reisedaten oder Nachrichten ins Auto bringt oder
· einen integrierten W-LAN-Hotspot, der bis zu acht mobile Endgeräte mit dem Internet koppelt.
Im Sommer 2011 folgen in Europa mit dem Service „Audi Verkehrsinformation online" und einer erweiterten Sprachbedienung weitere Meilensteine. Dieser Service optimiert anhand von Inrix-Echtzeit-Daten zur Verkehrssituation die Routen und arbeitet schneller und exakter als bisher bekannte Verkehrsinfodienste. In Zukunft ermöglicht es die Audi-Online-Anbindung dem Kunden, neben der Nutzung von Online-Diensten, auch Software-Funktionen des Autos zu beeinflussen.
