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Der Fiat 500 vor dem Konradin Verlagsgebäude in Leinfelden Foto: Frank Herrmann
Kulleraugen, frecher Blick, unprätentiös, chic und flink. Fiat hat den legendären 500 wiederbelebt und damit die Herzen der (vermutlich mehrheitlich weiblichen) Kundschaft im Sturm erobert. Wobei der kleine Italiener durchaus auch mit inneren Werten glänzen kann. Schon der erste Anblick des KEM-Testwagens setzt die Ratio außer Gefecht: knuffig, süß, niedlich sind die ersten Assoziationen, spontane Sympathie wallt auf. Mit seinen großen runden Augen und dem sympathischen Lächeln spielt der 500 den Verführer.
Der Fiat 500 vor dem Konradin Verlagsgebäude in Leinfelden Foto: Frank Herrmann
Kfz-Testbericht Fiat 500

Latin Lover ist zurück

Ist der nicht süß? Die Stadt ist das Revier des Fiat 500
Ist der nicht süß? Die Stadt ist das Revier des Fiat 500
Mit seinem straffen Fahrwerk ist der Fiat 500 ein kleiner Straßen- räuber
Mit seinem straffen Fahrwerk ist der Fiat 500 ein kleiner Straßen- räuber
Flottes Innendesign passend zum Exterieur
Flottes Innendesign passend zum Exterieur

Kulleraugen, frecher Blick, unprätentiös, chic und flink. Fiat hat den legendären 500 wiederbelebt und damit die Herzen der (vermutlich mehrheitlich weiblichen) Kundschaft im Sturm erobert. Wobei der kleine Italiener durchaus auch mit inneren Werten glänzen kann. Schon der erste Anblick des KEM-Testwagens setzt die Ratio außer Gefecht: knuffig, süß, niedlich sind die ersten Assoziationen, spontane Sympathie wallt auf. Mit seinen großen runden Augen und dem sympathischen Lächeln spielt der 500 den Verführer.

Seine kompakten Maße und propperen Formen erinnern an den guten Freund fast jeder italienischen Familie in den fünfziger und sechziger Jahren, den Ur-500. Damit reitet Fiat erfolgreich auf der Retro-Welle, die BMW mit dem neuzeitlichen Mini ausgelöst hat.

Mit Retro-Designzitaten spielt der Fiat 500 auch im Innenraum. Dessen Formensprache ist gekonnt auf das Exterieur abgestimmt und beim Testwagen zweifarbig gehalten. Die Oberflächen sind angenehm, die Verarbeitung wirkt solide. „Fehler in allen Teilen" als böswillige Interpretation des Markennamens ist nicht mehr richtig. Unbelehrbare Spötter sagen, die Qualität des 500 ist der Produktion in Polen geschuldet. Dort läuft bereits der Fiat Panda vom Band, der die technische Basis für den 500 liefert. Er gilt schon seit Jahren als einer der zuverlässigsten Kleinwagen.

Von diesen Fakten ließ sich auch Ford überzeugen. Denn die US-Amerikaner haben ihren neuen Ford Ka zusammen mit dem Fiat 500 entwickelt und lassen den Ka zusammen mit Panda und 500 von Fiat in Polen produzieren. Äußerlich sieht man den Kleinwagen ihre Verwandtschaft kaum an, aber unter dem Blech steckt viel identische Technik, zum Beispiel steuert Fiat auch für den Ka die Motoren bei.

Ausreichend, aber nicht üppig

Innen ist der 500 deutlich enger geschnitten als sein Bruder Panda. Zwar gibt es für Fahrer und Beifahrer genügend Platz, aber schon die beiden Plätze im Fond sind recht knapp bemessen. Außerdem ist der 500 generell nur zweitürig und der Panda nur viertürig erhältlich. Auch der Kofferraum des 500 ist nur für Kleinigkeiten gedacht und kapituliert schon vor normalen Getränkekisten. In diesem Fall müssen die beiden gleich großen Lehnenhälften der Fondsitze vorgeklappt werden, hinterlassen dann aber eine unpraktische Stufe. Eine Reminiszenz an alte Fiat-Zeiten war beim Testwagen die nur sehr unwillig in ihrem Verankerungspunkt einrastende rechte Fondlehne.

Fahrer und Beifahrer haben wenig zu meckern, sind ihre Sitze doch gut gepolstert und vermitteln guten Seitenhalt. Leider ist die Kopffreiheit für große Personen nicht üppig, auch nicht, wenn die höhenverstellbare Sitzfläche ganz unten ist. Beim Cockpit haben die Italiener zwar Stilsicherheit bewiesen, aber den Bedienkomfort etwas vergessen. Das große Rundinstrument hinter dem Lenkrad sieht schön aus. Es ist aber mit Tacho, Drehzahlmesser, einem zentralen Display und radial angeordneten Kontrollleuchten so vollgestopft, dass der Fahrer die Informationen nur schwer ablesen kann. Die Mittelkonsole mit Infotainmentsystem, Klimaregelung und hochgesetztem Schalthebel ist deutlich besser gelungen. Leider ist sie ein wenig zu weit weg, so dass sich der Fahrer – etwa zum Bedienen der Multimediaeinheit – erst etwas nach vorne beugen muss.

Kleiner Diesel, viel Temperament

Startet man den 1,3-l-Dieselmotor, sind diese Unzulänglichkeiten dem kleinen Italiener aber schnell verziehen. Der Selbstzünder zieht ohne großes Nageln gut los und wird ab 2000 min-1 sogar richtig temperamentvoll. Temperamentvoll ist auch das richtige Wort für das Fahrverhalten. Denn der straff gefederte 500 lässt seine Kunden niemals über den Straßenzustand im Unklaren.

Mit etwa 5 l nippt er auch nicht übermäßig Kraftstoff. Das liegt unter anderem an der leichtgängigen elektrisch unterstützten Lenkung von Delphi. Ihr Elektromotor wird nur bei Lenkvorgängen aktiv. Das spart im Vergleich zur permanenten hydraulischen Lenkunterstützung Energie und somit Kraftstoff. Clever ist auch der City-Modus der Lenkung, der per Knopfdruck aktiviert wird. Dann wird die Lenkunterstützung durch den Elektromotor noch größer und folglich kann der 500 – etwa beim Einparken im Parkhaus – noch spielerischer dirigiert werden.

Seit 2009 erhalten ausgewählte Fiat 500-Modelle sukzessive eine Start-Stopp-Regelung. Bosch liefert dafür einen angepassten Starter, einen Batteriesensor und die Motorsteuerung. Das System schaltet bei Stillstand des Fahrzeuges automatisch den Motor ab. Tritt der Fahrer auf die Kupplung und legt einen Gang ein, bringt der Starter den Motor sofort wieder auf Touren. Laut Bosch sind damit etwa 5 % Kraftstoff zu sparen.

Preis: Nach oben offen

Sparsam geht der Fiat 500 auch mit den Finanzen seines Besitzers um. Ein Grundpreis von 12 900 € für den kleinen Herzensbrecher mit kräftigem Dieselmotor sind ebenso in Ordnung wie die 10 500 € €für die günstigste Benziner-Variante. Dann bleibt aber noch viel Luft nach oben, denn der Katalog mit Sonderausstattungen ist beim Fiat 500 ungewöhnlich lang. Kein Wunder, hat Fiat doch per Internet mit den Fans der Marke gemeinsam die Liste der Sonderausstattungen erarbeitet.

Zunächst sind fast unzählige Designoptionen erhältlich, um den 500 den eigenen Vorstellungen entsprechend einzukleiden. Daneben gibt es die üblichen Extras wie ein Panorama-Glasdach, ein Glas-Schiebedach, ESP, Klimaanlage, Klimaautomatik, ein Automatikgetriebe oder eine Einparkhilfe. Beim Thema Multimedia ist der 500 mit Navigationssystem, Sprachsteuerung, USB-Anschluss, 4-Kanal-Verstärker und Subwoofer ebenfalls auf dem neuesten Stand. Mit allerlei Krimskrams ausgestattet, war der Testwagen schließlich rund 17 000 € €teuer. Viel für einen Kleinwagen – aber diese Augen!

www.kem.de

Fiat 500 KEM 436

Anlasser für Start-Stopp KEM 437

Elektrisch unterstützte Lenkung KEM 438

Der Autor und Testwagenfahrer Dipl.-Ing. Jürgen Goroncy ist freier Mitarbeiter der KEM

15.01.2009


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